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Aktuelle Aktionen der SEI

 

Die Schul-Eltern Initiative für Dieburg und Umgebung

wird Sie hier informieren, wenn neue Aktionen geplant sind.

 

An dieser Stelle platzieren wir einen kritischen Text der Vorsitzenden des elternbundes hessen zur breiten Diskussion

Was für eine Schule wünschen sich Eltern?

Von Dorothea Schlegel-Hentrich, Vorsitzende des elternbund hessen e.V Die Verfasserin macht die Schnittstelle zwischen Schulpolitik und Elternwille deutlich. Da Eltern keine homogene Gruppe sind, liegen auch ihre Erwartungen an Schule entsprechend weit auseinander. Eltern geht es zunächst um das Wohl und den Erfolg ihres eigenen Kindes. Die Schule hingegen ist eine Einrichtung für alle Kinder und hat die Aufgabe, hier integrierend zu wirken.

 

Wer sind eigentlich die "Endabnehmer", d. h. die Kunden von Schule? Die Wirtschaft geht selbstverständlich davon aus, dass es die Arbeitgeber sind. Die Eltern meinen, dass sie es sind, da sie letztlich die Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder tragen. Und die Schülerinnen und Schüler? Sie werden systembedingt so behandelt, dass sie gar nicht auf die Idee kommen (können), sie seien Subjekte, d. h. aktiv Handelnde und Fordernde in der Schule. Und wie steht es mit der Kultusbürokratie, der Schulbürokratie und mit den Lehre rinnen und Lehrern? Sie alle repräsentieren das System Schule, das seine ganz eigenen - für Außenstehende zuweilen ziemlich verblüffenden -Regeln und Gesetze hat. Dieses System wirkt wie ein geschlossener Raum mit unsichtbaren Grenzen. Wer sich darin bewegt, läuft Gefahr die Verbindung nach außen zu verlieren, sich stattdessen in Binnenauseinadersetzungen aufzureiben und das Maß für die Anforderungen der Realität jenseits der "Grenzen" zu verlieren.

Auffallend ist, dass alle Beteiligten an und Betroffenen von Schule trotz höchst unterschiedlicher Interessenlagen Eines gemeinsam haben: Glaubt man ihren Äußerungen, so sind sie eher Opfer des Geschehens, fühlen sich mehr als Objekte des Geschehens denn als Handeln de oder selbst Einfluss Nehmende.

 

Eltern sind Außenstehende und zugleich Grenzgänger" gemeinsam mit ihren Kindern. Daraus entwickeln sie eine spezifische Sicht, die sich aus den Erfahrungen ihrer Kinder, aus ihren eigenen Schulerfahrungen, aus ihrer Welt sicht und ihren Erziehungsvorstellungen und aus ihren Erwartungen und Hoff für die Zukunft zusammensetzt.

 

Auf dieser Folie betrachtet ist klar, dass Eltern keine homogene Gruppe sein können und ihre Wünsche an Schule entsprechend weit auseinander liegen. Da Schule in staatlicher Verantwortung eine "Veranstaltung" für alle Kinder ist, hat sie die Aufgabe hier integrierend zu wirken. Dieser Sicht liegt allerdings die Auffassung zugrunde, dass wir für unser Zusammenleben einen gesellschaftlichen Konsens darüber benötigen, dass alle Kinder eine Chance brauchen, sich ihren Voraussetzungen entsprechend so zu entwickeln, dass sie sich als Teil eines Ganzen erleben können und in die Lage versetzt werden, dazu etwas beizutragen. Umgekehrt heißt dies; dass wir uns keine Verlierer erlauben können, denn sie werden sich gegen diese Gesellschaft wenden und auch für diejenigen zum Problem werden, die aufgrund ihrer Ausgangslage glauben, es mit "so etwas" niemals zu tun bekommen zu können.

Dieser Punkt ist die Schnittstelle zwischen Schulpolitik und Elternwille bzw. -wünschen.

 

Stichworte wie Wissensgesellschaft, Postmoderne oder Neoliberalismus machen sich in der bildungspolitischen Debatte zu Recht breit und bestimmen die Überlegungen zum Verhältnis von Schule zum Staat und zum Markt. Folglich kann auch Schulpolitik sich den Anforderungen, die aus der immer schneller werdenden technologischen Entwicklung und der Globalisierung er wachsen, nicht mehr entziehen. Die Frage ist allerdings, was sie für angemessene Antworten hält und wie sie umgesetzt werden.

 

Schulpolitik in Hessen zeichnet sich derzeit dadurch aus, dass sie in fahrlässig plakativer Weise lineare (Schein- ) Antworten auf hochkomplexe Herausforderungen gibt. Verunsicherte Eltern, die ihren Kindern den gesellschaftlichen und ökonomischen Aufstieg sichern wollen, werden dafür sein, dass es eine rigide Auslese gibt, damit ihre Kinder nicht von anderen aufgehalten oder behindert werden. Sie werden, solange ihr Kind beispielsweise mit dem gymnasialen Angebot zurecht kommt, keine Fragen stellen nach der Qualität von Unterrichtsmethoden oder -inhalten. Sie wer den nicht fragen, wie denn Demokratiekompetenz, soziale Kompetenz, Kommunikationskompetenz oder interkulturelle Kompetenz vermittelt werden unter Bedingungen, wo es darauf an kommt, allein gegen alle anderen sich durchzusetzen - was immer das im Einzelnen heißen mag. Sie werden wegsehen, wenn Mitschüler andere drangsalieren, wenn sich ihre Kinder in Räumlichkeiten bewegen, in denen sie selbst sich keine halbe Stunde aufhalten würden, wenn rassistische und sexistische und andere diskriminierende Äußerungen zum Umgangston auf dem Schulhof gehören. Sie hätten zwar gern, dass ihr Kind am besten IWF-Präsident wird (wovon es bekanntlich immer nur einen geben kann), aber es sollte nicht mit den angeblichen Niederungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit konfrontiert werden.

 

Dies verspricht die hessische Kultusministerin (CDU) ihnen denn auch immer wieder, indem sie dafür sorgt, dass die Kinder in der "richtigen" Schulform untergebracht werden. Sie sortiert und sortiert - die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern. Sie erzeugt die gefährliche Illusion, dass dies eine qualitative Antwort auf die Herausforderungen an Schule sei. Leistungen steigen nicht dadurch, dass man die Notengebung verschärft oder die Versetzungsregeln strenger macht, wie es das novellierte Schulgesetz vorsieht, sondern indem das Angebot verändert wird, indem die Motivation der Schülerinnen und Schüler aktiyiert wird, indem sie befriedigende Arbeitsformen und ihrer Wirklichkeit nahe Inhalte geboten bekommen. "Lernen statt Unterricht" muss das Motto von Schule sein und nicht das unausrottbare Einsaugen und Wiedergeben von abfragbarem Lernstoff. Das aber kennen die meisten Eltern noch aus ihrer eigenen Schulzeit und können sich oft nichts anderes vorstellen.

 

Wenn sich die geballte pädagogische Kompetenz von Schule darauf richten würde, neue schülerbezogene und die Erlangung der geforderten Schlüsselkompetenzen erforderliche Lehr - und - Lernmethoden einzuführen, so würden auch Eltern sich überzeugen lassen bzw. dies akzeptieren, wie sie häufig genug das derzeitige Angebot unhinterfragt hinnehmen.

 

Stattdessen sind wir in fast jeder Schule - unabhängig von der Schulform - mit einem bestimmten Prozentsatz von Lehrkräften konfrontiert, die bekannt sind dafür, dass die Kinder bei ihnen nichts lernen, die seit Jahren immer dasselbe machen, die sich jeder Modernisierung entgegenstellen, die Kinder drangsalieren und sich jeder Ansprache diesbezüglich entziehen. Eltern wünschen sich diese Lehrer nicht für ihre Kinder! Vor allem diejenigen, deren Kinder sozial sensibel auf ihre schulische Umgebung reagieren, sind nachdenklich geworden, ob ein System, dass so etwas unsanktioniert über Jahre zulässt, nicht auch an anderen Stellen veränderungsbedürftig ist, denn eine Leistungsverbesserung von Schule hängt zentral von der Leistung der Lehrkräfte, der Führungskräfte und der Strukturen ab.

 

Eltern wünschen sich eine Schule, die differenziert auf ihre Kinder eingehen kann. Die konservative hessische Schulpolitik hat als einziges "Differenzierungsangebot" das dreigliedrige Schulsystem, das sie vehement zementiert. Ist das Kind dort erst einmal zugeordnet, so ist der Weg in die nächsthöhere Stufe abgeschnitten durch die Wiedereinführung von schulformbezogenen Lehrplänen. Nur der Weg nach unten ist beschleunigt, indem die Versetzungsbestimmungen deutlich verschärft wurden. Das heißt, die Schule stellt einseitig Anforderungen an Schülerinnen und Schüler, die ihrerseits gegenüber der Schule "nichts zu melden haben". Wie sollen sie Verantwortungsgefühl, politisches Bewusstsein oder gar Demokratiekompetenz erwerben, wenn sie derart entmündigt werden? Wie können sie sich entwickeln, wenn ihre Fähigkeiten so einseitig gefordert sind? Wer soll die Forderungen der Wirtschaft nach Kreativität, Teamfähigkeit und kommunikativer Kompetenz erfüllen, wenn Schule so phantasielos und auch zu oft respektlos mit den Schülerinnen und Schülern umgeht? Wie sollen sie sich in einer globalisierten Welt bewegen können, wenn Menschen aus anderen Ländern und Kulturen mit Integrationsforderungen - die Politik der hessischen Landesregierung tut sich hier besonders negativ hervor - konfrontiert werden anstatt z. B. in Schule eine Chance zu erhalten, die hiesige Kultur zu bereichern? Trotz aller Rückständigkeit der hessischen Schulpolitik wird kein Weg daran vorbeiführen, den Schulen und Schulgemeinden vor Ort endlich die Autonomie zuzugestehen, die sie für eine tatsächliche Entwicklung unabdingbar brauchen. Das Ende der "geschlossenen Gesellschaft" Schule zeichnet sich ab, die Öffnung nach allen Seiten der Wirklichkeit wird durch das, was Schülerinnen und Schüler und die Entwicklung im Be reich Familie faktisch hineintragen, geradezu erzwungen werden.

 

Schule muss zu einem "Haus des Lernens" werden, wenn wir als Eltern die umfassende Qualifizierung unserer Kinder haben wollen, die sie für die Zukunft brauchen werden, um sich in der vielzitierten Wissensgesellschaft bewegen zu können. Die Debatte um die Ganztagsschule -und Ganztagsschule meint ausdrücklich nicht die Fortsetzung des Bisherigen auch noch am Nachmittag - kommt zu diesem Zeitpunkt nicht überraschend, denn sie bietet die Chance, dass Kinder neben Grundwissen auch andere Fähigkeiten in Schule erwerben können. Eltern dürfen die im hessischen Schulgesetz durch Rücknahme von Mitbestimmungsmöglichkeiten vollzogene Entmündigung nicht hinnehmen. Gemeinsam mit unseren Kindern, den Schülerinnen und Schülern, müssen wir auf der Wiederherstellung und Weiterentwicklung demokratischer Strukturen in Schule bestehen!

 

[Schul-Eltern Initiative Dieburg und Umgebung]